Spaziergang durchs Plaußiger Wäldchen

Naturerlebnis am ersten Herbstwochenende

Waldspaziergang_2„Warum schneiden wir eigentlich die Bäume ab?“ Diese Frage stellte Revierförster Martin Opitz gleich zu Beginn der Führung und brachte damit vor allem die Kinder ins Grübeln. Danach erklärte er, dass lichtliebende Baumarten wie Eiche und Erle im Wald gefördert werden. Um ihnen den nötigen Platz zu verschaffen, werden die benachbarten Bäume gefällt. „Sonst würden im ewigen Konkurrenzkampf der Bäume ums Licht andere Baumarten gewinnen“, sagte Förster Opitz.

„Diesen großen Aufwand scheuen private Forstbetriebe“, meinte Opitz, „deshalb pflegen sie keine größeren Eichenbestände.“ Die Leipziger Stadtförster seien dagegen schon zufrieden, wenn durch ihre Arbeit „eine schwarze Null“ geschrieben werden kann. „Uns geht es in erster Linie um eine ökologische Waldbewirtschaftung.“ Der Stadtforst will auch keine Chemie einsetzen, unter anderem weil große Waldflächen in Schutzgebieten liegen. „Aber stabile Mischwälder brauchen auch eigentlich keine Chemie. Sie machen es Forstschädlingen schwer, sich auszubreiten.“

Waldspaziergang_3Dann bleibt der Förster vor einer mächtigen Esche stehen und fragt nach dem Alter dieses Baumes. Die Schätzungen der Teilnehmer gehen weit auseinander. „Um genau zu bestimmen, wie alt der Baum ist, könnte man ihn fällen und die Jahresringe im Stamm zählen“, schlägt Opitz vor. Doch es geht auch anders: Er holt sein Revierbuch heraus, und dort ist der Baum säuberlich eingetragen: 68 Jahre alt, 26 Meter hoch. Das ist kein Alter für eine Esche, die 150 Jahre alt werden kann, erklärt der Förster.

Während alle noch auf den Wipfel des stattlichen Baumes schauen, haben einige Kinder am Waldboden eine ganz andere Entdeckung gemacht: Tierspuren sorgen für Aufregung. Martin Opitz kann die Abdrücke schnell identifizieren: Ein Wildschwein mittlerer Größe war offenbar in der vergangenen Nacht unterwegs und wollte wohl zu einem Altarm der Parthe.

Die nächste „Sehenswürdigkeit“ auf dem Waldspaziergang ist eine abgestorbene Wildkirsche. „Solches Totholz gehört in den Wald“, betont der Förster. „Wir müssen uns zwar immer wieder anhören, dass unsere Wälder unordentlich aussehen, aber diese toten Bäume bleiben stehen!“ Viele Insekten besiedeln nämlich das Totholz. Das wiederum lockt beispielsweise alle heimischen Spechtarten an. Darunter ist in Leipzigs Wäldern auch der andernorts seltene Mittelspecht.

Der NABU Leipzig hat sich vorgenommen, wertvolle Höhlenbäume, in denen die Spechte, aber auch andere Tierarten, zuhause sind, zu erfassen. Informationen dazu will Förster Opitz gerne aufgreifen, um solche Bäume besser zu schützen.

Die nächste „Entdeckung“ ist weniger erfreulich: Abfälle im Wald. „Die haben hier nichts zu suchen“, beklagt Revierförster Opitz. Das gelte auch für Grünabfälle von Gartenbesitzern, die man immer wieder im Wald findet. „Das ist illegal und kann die Waldpflanzen beeinträchtigen. Ob Autoreifen, Verpackungsmüll oder Gartenabfälle – wenn ich jemanden mit Abfall im Wald erwische, hat das rechtliche Konsequenzen“, kündigt Opitz an und bedankte sich beim Naturschutzbund, der gerade erst eine Woche zuvor, am Internationalen Küstenreinigungstag, mehrere Säcke Müll im Plaußiger Wäldchen und im Abtnaundorfer Park gesammelt hatte.

Nach zwei Stunden endete die Führung mit großem Applaus für den Förster. „Für den Schutz der Artenvielfalt brauchen wir die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung“, sagte Opitz abschließend und bedankte sich für das Interesse der Exkursionsteilnehmer.

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Revierförster Martin Opitz zeigt verschiedene Laubblätter, an denen man die unterschiedlichen Baumarten erkennen kann. Foto: Christoph Knappe

 

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